Emil Fischer

Emil Fischer, 1852-1919, Chemiker, Nobelpreisträger

Abb. aus: „Aus meinem Leben. Emil Fischer, Gesammelte Werke. Geschrieben  1918.“ Hrsg: M. Bergmann, 1922.

 

Emil Fischer wurde am 9. Oktober 1852 in Euskirchen nahe Bonn im Rheinland geboren und gilt als einer der größten Meister auf dem Gebiet der organischen Chemie.1902 erhielt er den Nobelpreis für Chemie, womit insbesondere seine Arbeit zu Zuckern und Purinen honoriert wurde.

Nachdem Fischer 1869 das Gymnasium in Bonn als Bester (Primus) abgeschlossen hatte, begann er eine Kaufmannslehre im Holzgeschäft des Schwagers seines Vaters in Rheydt/Mönchengladbach. Die kaufmännische Ausbildung lag ihm jedoch nicht, sodaß er 1871 – nachdem auch der Vater erkannt hatte, dass aus dem Jungen nie ein guter Handelsmann werden würde – zur Universität gehen durfte. Er begann mit dem Studium der Chemie in Bonn, wechselte aber bereits 1872 nach Straßburg zum Chemiker Adolf von Baeyer, der später (1905) ebenfalls den Nobelpreis für Chemie erhielt.
1874, im Alter von 22 Jahren, promovierte Emil Fischer unter Adolf von Baeyer und wurde1875 sein Assistent in der Abteilung für organische Chemie am „Baeyerischen Institut“. 1875 folgte Fischer seinem Mentor nach München, wo v. Baeyer die Nachfolge von Justus von Liebig († 1873) auf dem Lehrstuhl für Chemie an der Universität München (LMU) antrat.

Abgesehen von einem Semester zurück in Straßburg verfolgte Emil Fischer seine weitere Karriere vorerst in München, wo er 1878 mit seiner Arbeit über Hydrazine habilitierte. 1879 wurde er als Extraordinarius für Analytische Chemie an der LMU berufen. Es folgten zwei Zwischenstationen:

  • 1882-1885 Lehrstuhl für Chemie in Erlangen. Laut seinen Memoiren sagte ihm Erlangen ansich nicht zu („Der Ort hatte zwar wenig Anziehendes, aber es handelte sich doch um ein Ordinariat an einer Universität und das Institut war durch einen Neubau verhältnismäßig gut ausgestattet“), aber immerhin lernte er hier seine spätere Frau Agnes Gerlach kennen, die Tochter des Erlanger Anatomie-Professors. Außerdem notiert er: „Uns Chemikern recht nah stand der außerordentliche Professor der Pharmakologie Filehne, der die fieberstillende Wirkung des Antipyrin (Anm.: Phenazon) zuerst festellte und seine Einführung in die praktische Medizin besorgte“. Otto Fischer, ebenfalls 1852 in Euskirchen geboren, übernahm 1885 den Erlanger Lehrstuhl für organische Chemie von seinem Cousin Emil. Er blieb bis zu seiner Emeritierung 1925.

    Chemie-Professoren und ihre Studenten/Doktoranten Wintersemester 1877/1878, LMU/München
    Emil Fischer: vorne, 3. v.re.
    Otto Fischer: vorne, 1. v.li

  • 1885-1892 Lehrstuhl für Chemie in Würzburg; Neubau des chemischen Instituts

1892 schließlich nahm Emil Fischer den Ruf an die Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin an, als Nachfolger auf den Lehrstuhl des hochdotierten Chemikers August Wilhelm von Hofmann (†1892). Hier blieb Emil Fischer bis zu seinem Tod.

Am 15. Juli 1919, im Alter von 66 Jahren, starb Emil Fischer durch eigene Hand, nachdem bei ihm eine Krebserkrankung diagnostiziert worden war.

 

Emil Fischers Forschungsarbeit:

Als Professor im sich neu entwickelnden Gebiet der organischen Chemie und Biochemie im 19. Jahrhundert, beschäftige sich Emil Fischer hauptsächlich mit den Eigenschaften von Zuckern und Proteinen. Er studierte die Strukturen von Purinen und Polypeptiden, was auch die Grundlage für die Entwicklung von pharmakologischen Substanzen ist. Im Folgenden sind einige seiner Errungenschaften aufgeführt, die bedeutend für die Pharmakologie & Toxikologie sind:

  • Als Assistent von A. v. Baeyer entdeckte Fischer das Phenylhydrazin – eine grundlegende Substanz für seine weiteren Analysen. Phenylhydrazin wurde im Weiteren von der chemischen Industrie für die Herstellung von Farbstoffen und Medikamenten verwendet.
  • Ebenfalls basierend auf v. Baeyers Arbeit in ihrer Straßburger Zeit entwickelte Fischer, zusammen mit seinem Freund, dem Arzt Josef Baron von Mering († 1908), das Sedativum Barbital (Diethylbarbitursäure), das ab 1903 bis in die 1960er Jahre als Veronal® und Medinal® im Handel war. Präklinische und klinische Versuche, durchgeführt von Dr. von Mering, führten auch zur Markteinführung von Phenobarbital (Luminal®), das immer noch verwendet wird.
  • In den folgenden Jahren entwickelte Emil Fischer weitere Verbindungen, wie z.B. das Iod-Derivat Sajodin und das Brom-Derivat Sabromin. Diese wurden zur Behandlung verschiedener Erkrankungen, wie Syphilis, neurologischen Erkrankungen (Epilepsie, Chorea u.a.), Arteriosklerose oder Tuberkulose eingesetzt.
  • Fischers Arbeit mit Harnstoff/Purinen führten zur korrekten Darstellung und Synthese von Theobromin, Theophyllin und Koffein.
  • Zusammen mit Franz Penzoldt, der zu dieser Zeit ein Assistent seines Freundes, des Arztes für Innere Medizin, Wilhelm Leube, war, erforschte Fischer den menschlichen Geruchssinn im Bezug auf Chemikalien. In einem speziell eingerichteten Raum, dem „Olfaktorium“, konnte er die Wahrnehmungsschwelle verschiedener Geruchsstoffe ermitteln. Er schloß aus seinen Experimenten, dass der menschliche Geruchssinn einer der wichtigsten Sinne ist, da er viel feiner und sensitiver ist als man bis dahin annahm.
  • Auf dem Gebiet der Toxikologie beschäftigte er sich mit Gerbstoffen und – wie es damals legitim und vorallem für Chemiker dieser Zeit oft vorgeschrieben war – mit Chemikalien für den militärischen Einsatz.

 

Quellenangaben:

(1) Fischer, Emil. Aus meinem Leben. ISBN: 978-1484023198. Herausgegeben von M. Bergmann, Berlin: Julius Springer, 1922.

(2) Untersuchungen aus verschiedenen Gebieten. Vorträge und Abhandlungen allgemeinen Inhalts von Emil Fischer, Hrsg M. Bergmann. Berlin: Julius Springer, 1924. (→ Inhaltsverzeichnis).

(3) Ruth H. Anders: „Veronal. Geschichte eines Schlafmittels.“ Pharmazeutische Zeitung 47/2003.

(4) https://de.wikipedia.org/wiki/Emil_Fischer

(5) https://www.nobelprize.org/prizes/chemistry/1902/fischer/facts/